Wenn ich nicht mehr richtig da bin.


Irgendwann habe ich gemerkt,
dass etwas mein Leben lenkt.
Nicht laut.
Nicht plötzlich.
Eher schleichend.
Der Job hatte mich voll im Griff.
Und ich dachte:
Wenn ich richtig gut leiste,
bin ich gut.
Mein Alltag wurde voller.
Schneller.
Und ich mittendrin –
irgendwie dabei,
aber nicht wirklich da.
Es blieb kaum Raum,
mich selbst zu hören.

Dem Gefühl wieder nah?
Während alles lief,
verlor ich den Kontakt zu mir.
Ich merke,
dass ich immer seltener weiß,
was mir wirklich guttut.
Also greife ich nach dem,
was gerade da ist.
Etwas, das kurz hilft.
Kurz beruhigt.
WENN ich alles schaffe,
dann wird es besser.
WENN ich im Job perfekt bin,
dann bin ich wertvoll.
WENN alle mit mir zufrieden sind,
dann stimmt auch etwas in mir.
WENN … DANN.
Und was,
wenn ich nie ankomme?
Ich weiß nicht genau,
warum ich das tue.
Ich merke nur,
dass ich warte.
Es fühlt sich an,
als würde etwas fehlen.
Und ich versuche,
diese Lücke zu schließen.

Zwischen den Welten
Mein Morgen beginnt oft,
bevor ich wirklich wach bin.
Ich stehe auf.
Noch halb bei mir.
Der Kaffee läuft.
Das Handy ist schon in meiner Hand.
Bad.
Anziehen.
Alles passiert,
ohne dass ich wirklich dabei bin.
Dann beginnt der Tag.
Und fühlt sich an,
als wäre er schon entschieden.
Ich erledige,
spreche,
reagiere.
Funktioniere.
Höre zu.
Stimme zu.
Passe mich an.
Vieles davon läuft gut.
Weniges davon bin ich.
Und irgendwann merke ich:
Es sind nicht nur die Tage,
die sich wiederholen.
Ich bleibe beim Bekannten.
Nicht, weil es gut ist.
Sondern weil ich weiß,
wie man darin funktioniert.
Und trotzdem
regt sich etwas in mir.
Kein Gedanke.
Eher ein leises Ziehen,
wenn ich kurz stehen bleibe.
Als würde etwas fragen,
ob das wirklich alles ist.
Ich gehe dem nicht sofort nach.
Tue so,
als hätte ich es nicht bemerkt.
Mache weiter.
Funktioniere weiter.
Und trotzdem
bleibt es da.
Dieses Unbehagen,
das sich nicht wegschieben lässt.
Ich kann es nicht greifen.
Weiß nicht,
was es von mir will.
Nur, dass es mich
nicht mehr in Ruhe lässt.
Irgendwann halte ich kurz inne.
Nicht geplant.
Nicht als Entscheidung.
Eher wie ein kleines Aus-dem-Tritt-Kommen
mitten im Gewohnten.
Ich bleibe stehen.
Atme.
Und merke,
wie ungewohnt
das geworden ist.
Da ist nichts Großes.
Kein Gedanke,
der alles erklärt.
Nur dieser Moment.
Ich bin da.
Zum ersten Mal
seit einer Weile.
Es fühlt sich fremd an.
Und gleichzeitig vertraut.
Als würde ich bei mir selbst
anklopfen.
Ich weiß nicht,
was ich daraus mache.
Ich weiß nur,
dass ich diesen Moment
nicht sofort wieder verlieren will.
Nach diesem Halt
wird es still.
Nicht, weil ich etwas dafür tue.
Sondern weil ich einen Moment
nichts mehr nachschiebe.
Kein neuer Gedanke.
Keine Antwort.
Nur dieser Zwischenraum.
Es fühlt sich ungewohnt an.
Als wäre ich kurz
aus dem Takt gefallen.
Ich sitze da
und lasse es zu.
Ohne etwas festhalten zu wollen.
Ohne wissen zu müssen,
was es bedeutet.
Es wird ruhiger in mir.
Ganz leicht.
Und es ist genug,
um etwas zu verschieben.
Nicht im Außen.
In mir.

Ein Raum.
Nach dieser Stille
merke ich,
dass ich einen Ort brauche.
Nur für mich.
An dem ich nichts muss.
Nicht funktionieren.
Nicht performen.
Nur da sein.
Also setze ich mich einfach hin.
Ohne Ziel.
Ohne Plan.
Ich atme.
Und bleibe.
Gedanken kommen
und gehen wieder.
Ich halte sie nicht fest.
Ich sitze
und atme.
Nicht immer gelingt es.
Manchmal springe ich gleich wieder auf.
Manchmal bleibe ich.
Ich nenne es Meditation.
Aber eigentlich ist es nur
Zeit mit mir.
Es verändert nicht sofort mein Leben.
Aber es erinnert mich daran,
dass ich nicht jeder Bewegung in mir folgen muss.
Dass ich aussteigen kann.
Wenigstens kurz.
Nicht, um jemand anderes zu werden.
Nur um wieder bei mir zu sein.
Vielleicht reicht es für heute,
einfach hier zu bleiben.










