Glücklich – sein oder nicht sein?
Das entscheide ich!


Wenn es ruhig wird, beginnen die Antworten zu flüstern.
Nicht laut. Nicht sofort.
Doch wer lange genug lauscht,
spürt irgendwann ein leises Ziehen – wie eine Erinnerung.
Eine Erkenntnis formt sich – über all das, was war.
Was geschehen und geblieben ist.
Was mich hat reifen lassen.
Und mit ihr entfaltet sich ein Gefühl:
Dankbarkeit.
Nicht nur für das Schöne.
Sondern auch für das, was mich wachsen ließ – still, heimlich, manchmal schmerzhaft.
Wofür eigentlich dann die Dankbarkeit?
Genau das möchte ich heute mit Euch teilen.

Ein Wort. Ein Gefühl.
Dankbarkeit – so oft gehört, so schnell gesagt.
In den sozialen Medien begegnet sie uns täglich:
als Affirmation, als Trend, als Ritual.
Aber was bedeutet sie wirklich?
Für mich ist Dankbarkeit weit mehr als ein nettes Mantra fürs Morgenjournal.
Sie ist eine der kraftvollsten Emotionen – und doch wird sie oft übersehen.
Dabei ist sie ein echtes Empfinden.
Eine stille, tiefe Wertschätzung für das Leben selbst – für das Kleine,
das Große, das Unperfekte.
Für das, was ist. Genau so, wie es ist.
Sie ist keine Pflicht, kein Konzept, das man „richtig“ machen muss.
Sie ist eine Haltung.
Ein innerer Raum der Verbindung – zu mir selbst und zu allem, was mich umgibt.
Aber wie fühlt sie sich an – diese Dankbarkeit?
Für mich begann alles leise.
Kein großer Aha-Moment. Sondern kleine Schritte.
Ich fing an, jeden Tag drei Dinge aufzuschreiben, für die ich dankbar bin.
Erst war es schlicht: ein Lächeln, mein Kaffee, ein warmer Moment.
Aber mit der Zeit öffnete sich mein Blick.
Ich sah tiefer. Spürte mehr.
Und langsam wurde selbst das Widersprüchliche zu etwas Wertvollem.
Ein Gefühl, das bleibt – auch wenn das Leben laut ist.

Vom Haben zum Sein
Ich erinnere mich an einen dieser stillen, bedeutsamen Tage, als ich meine Mama ein weiteres Mal in die onkologische Klinik begleitete.
Einem Ort voller Schwere. Und dennoch mit Momenten von Licht.
Im Warteraum herrschte eine besondere Art von Ruhe – nicht still nur leise.
Gespräche waren gedämpft, fast wie geflüstert, als wolle niemand stören, was hier in den Menschen vorging.
Ich sah sie – die Frauen, die dort warteten.
Ihre Körper ruhig, ihre Gesichter wach.
Gezeichnet vom Leben, vom Kampf, von etwas, das man auch sehen, aber viel mehr fühlen konnte.
In ihren Blicken lag kein Trotz. Kein Drama.
Aber etwas, das mich mitten ins Herz traf: Eine unsichtbare, kraftvolle Würde.
Manche schwiegen. Andere tauschten Worte aus, leise, bedacht.
Und inmitten dieser eigenen Gemeinschaft saß ich – als Begleiterin, als Tochter, als “Gast”.
Ich hörte zu, ohne ein Gespräch zu führen.
Ich spürte, ohne berührt zu werden.
Ich nahm auf – mit offenem Herzen.
Ihre Geschichten waren unausgesprochen und doch so präsent.
Keine großen Worte. Keine Inszenierung.
Nur der pure Kern:
Leben, Liebe, Verlust – und die Weigerung, daran zu zerbrechen.
Und dann war er da – dieser Moment.
Klar. Tief. Völlig unerwartet.
Eine Welle der Dankbarkeit durchströmte mich – lautlos, aber unaufhaltsam.
Nicht, weil alles gut war.
Nicht, weil ich stark war.
Nicht, weil es Sinn ergab.
Sondern, weil ich da war.
Weil ich leben durfte.
Nur das.
Atmend. Wartend. Begleitend.
Und inmitten all der Schwere erkannte ich: Dieses Leben ist kein Versprechen.
Es ist ein Geschenk.
Und in genau diesem Augenblick begann ich, es zu empfangen.
Das Leben. So wie es ist.
Das war aber nicht immer so …

Dem Leben vertrauen
Dankbarkeit veränderte nicht die Umstände – sie veränderte mich.
Plötzlich sah ich mehr. Fühlte mehr.
Nicht weil alles perfekt war.
Sondern, weil ich begann, mich dem Leben zuzuwenden – statt es kontrollieren zu wollen.
Kleine Dinge bekamen wieder Bedeutung:
Ein Sonnenstrahl am Morgen.
Ein stiller Blick.
Ein tiefes Ausatmen.
Es war, als hätte jemand den Fokus neu justiert – nicht mehr auf das, was fehlt, sondern auf das, was trägt.
Es ist erstaunlich, was wir sehen, wenn wir wirklich hinschauen.
Nicht wertend. Nur empfangend.
Dankbarkeit verändert nicht die Welt – sie verändert den Blick auf die Welt.
Und plötzlich wird aus dem „Zuviel“ ein Geschenk.
Aus dem „Zuwenig“ ein Raum.
Und aus der Leere eine Einladung.
Ich muss nicht mehr alles verstehen, nicht mehr alles im Griff haben.
Es reicht, zu sehen, was da ist – und zu erkennen, dass es genug ist.
Dass ich genug bin.
Ich nehme das Leben, wie es kommt.
Mit allem, was es bringt.
Ich kämpfe nicht mehr gegen den Strom – ich lasse mich tragen, vertraue dem Fluss.
Es gibt nichts mehr zu beweisen.
Keine Masken, keine Rollen, die ich spielen muss.
Ich darf einfach sein.
Ich darf mich zeigen – genau so, wie ich bin.
Unperfekt. Ganz. Echt.
Und plötzlich wird alles leicht.
Ich spüre:
Dankbarkeit ist kein Ziel, das ich erreichen muss.
Kein Haken auf einer Liste.
Kein Etappensieg am Ende einer langen Reise.
Sie ist ein Zustand – ein innerer Raum, den ich mit jedem Atemzug bewusst betreten kann.
Ein Raum voller Stille, Weite und Licht.
Früher dachte ich, ich müsste warten.
Warten, bis alles passt.
Bis ich genug bin, genug habe, genug leiste.
Bis das Chaos sich legt und das Leben mir endlich einen Grund liefert, dankbar zu sein.
Aber heute weiß ich:
Dankbarkeit ist keine Belohnung.
Sie ist nicht das Ergebnis eines perfekten Moments.
Sie ist der Anfang von allem.
Ich danke – auch ohne Grund.
Ich danke, weil ich lebe.
Weil ich spüre.
Weil ich atmen kann.
Ich danke, weil ich gelernt habe,
selbst im Schmerz noch etwas Schönes zu erkennen.
Einen Funken Licht. Eine leise Wahrheit.
Das Leben gibt mir nicht immer das, was ich will.
Aber es schenkt mir das, was ich brauche – zum Wachsen, zum Erkennen, zum Heilen.
Und genau dafür danke ich.
Von Herzen. Immer wieder.

Dank zieht Kreise
Manchmal vergessen wir im Alltag, wie viel schon da ist.
Wie viel wir tragen, erleben, lernen – einfach, weil wir leben.
Und genau dort beginnt sie:
Die Kraft, die uns leiser macht. Wärmer. Verbundener.
Lasst uns heute einen Moment nur für uns nehmen.
Einen stillen Atemzug – ganz bewusst.
Und vielleicht fragen wir uns dabei:
Was darf heute da sein?
Ein Gedanke. Ein Gefühl. Ein Wort.
Etwas, das leise flüstert: Danke.
Vielleicht ist es genau das, was wir heute brauchen.
Wenn ihr mögt, schreibt es auf.
In euer Journal. Auf einen Zettel. In eine Notiz auf dem Handy.
Oder flüstert es einfach in euren Tag.
Denn geteilte Dankbarkeit – auch mit Euch selbst – wächst.
Und manchmal reicht genau das:
Ein einziger, ehrlicher Moment.
Eine kleine Geste.
Ein stilles „Danke“ mitten im Lärm.
Danke, dass ihr bis hierher mit mir gereist seid.
Vielleicht spürt ihr – genau wie ich – dass es erst der Anfang ist.
Wie es weitergeht?
Ganz langsam. Gemeinsam.
Dorthin, wo das Licht auf den Schatten trifft.
Bleibt neugierig.
Bleibt bei euch.
✨ Wir lesen uns in der nächsten Folge von:







